Wenn die Entscheidung schwer fällt..

Nach welchen Kriterien entscheidet sich die Wahl für oder gegen einen Wettkampf? Meine Ziele im Sport waren schon immer geprägt vom ‚Weiterkommen‘. Beim Laufen folgte nach den ersten 5 km, die 10 km Distanz, der Halbmarathon und schlußendlich der Marathon. Auch beim Triathlon ist das Weiterkommen der Reiz für mich. Nun stehe ich aktuell vor der Frage – ‚Ist es klug eine Mitteldistanz nach 10 Monaten Triathlontraining einzuplanen?‘. In der Frage geht es auch nicht um irgendeine Mitteldistanz, sondern um den Ironman 70.3 auf Lanzarote – sprich viele Höhenmeter und Wind. Geplant war dieser Wettkampf nicht mehr für dieses Jahr, doch wollten Chris und ich noch einen Urlaub im Oktober machen. Wir wussten es soll ein Urlaubsort sein an dem wir auch trainieren können und erkundigten uns über Lanzarote. Der Zielort stand, aufgrund der örtlichen Möglichkeiten, schnell fest. Bis Chris mit der Neuigkeit eines zeitgleich dort stattfindenden Ironman 70.3 zu mir kam und meine Neugier geweckt wurde.

Doch die Entscheidung fällt mir schwer, da es nur noch 8 Wochen bis zum Wettkampf sind. Bislang habe ich für die Olympische Distanz trainiert und nicht für die Mitteldistanz. In den 8 Wochen habe ich noch zwei Wettkämpfe vor mir – eine Sprintdistanz und eine Olympische Distanz. Diese bieten zum einen die Möglichkeit nocheinmal die Wettkampfluft zu schnuppern, zum anderen erschweren sie die wettkampfspezifische Vorbereitung für die Mitteldistanz. Im Gegensatz dazu bin bekannt für die schnelle Umetzung solch großer Ziele. Nicht um in einer bestimmten Zeit ins Ziel zu gelangen sondern um die Distanz zu bewältigen. Bereits mein erster Triathlon war eine Kurzdistanz, zu welcher ich mich am Wettkampftag spontan entschieden habe.

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Was also tun wenn das Herz ‚ja‘ sagt und der Kopf ’sei vorsichtig‘ schreit?

Ein klares Nein, merke ich gerade beim Schreiben, ziehe ich nicht in Erwägung. Dennoch sollte die Distanz mit Vorsicht angegangen werden und gut geplant sein. Nicht überpacen, regelmäßige Nahrungsaufnahme und in den letzten 8 Wochen beim Training nicht übertreiben. Na gut.. was spricht also dafür, was dagegen:

Dafür:

  • Der bereits gebuchte Urlaub.
  • Ich habe richtig Lust darauf.
  • Es wäre nicht meine erste verrückte Entscheidung

Dagegen:

  • Kurze spezifische Vorbereitungszeit
  • Anspruchsvolle Strecke
  • Wenig Triathlonerfahrung

Unentschieden, die entscheidende Frage ist, schlägt Herz Kopf? …JA, meine Emotionen und die Leidenschaft für den Sport gewinnen am Ende immer, auch wenn es mich bis dahin einige Nerven kosten wird.

Mein Ziel wird es sein anzukommen, auch wenn es nicht leicht wird, kann ich das schaffen – Denn Ehrgeiz, habe ich!

Eure

Miri

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„Viel hilft auch viel“ – Das weiß doch Jeder

Vor ziemlich genau vier Wochen, am 29.07.18, habe ich erfolgreich meine erste Langdistanz in Hamburg absolviert und wurde beim Zieleinlauf u.a. mit dem bekannten Satz „You are an Ironman“ geehrt. Eine wirklich großartige und einmalige Erfahrung! – Hierum soll es in dem Beitrag aber gar nicht gehen. Viel mehr möchte ich mich dem Thema Regeneration und Periodisierung widmen. Leider habe ich mich nämlich zu Beginn des Jahres bereits optimistisch für einen weiteren Liga-Start, und zwar morgen am 11.08. für eine Mitteldistanz (2/74/21) bei recht anspruchsvollen Streckenverhältnissen gemeldet. Ich muss wohl der festen Überzeugung gewesen sein, man hätte die „Wehwehchen“ einer Langdistanz nach zwei Wochen vollständig auskuriert. Eventuell habe ich auch gewusst, dass es nicht so ist, mich aber einfach nicht getraut, „nein“ zu sagen. Unsere Ligamannschaften im Verein sind aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle diese Saison chronisch unterbesetzt – jeder wird gebraucht und man möchte aushelfen, wenn man darum gebeten wird. Ihr kennt sicher vergleichbare Situationen!

Dennoch bereue ich meine Entscheidung. Auch wenn das Nervensystem und die Kohlehydratspeicher nach wenigen Tagen wieder vollständig hergestellt sind, gilt das nicht für den gesamten Bewegungsapparat. Die Muskulatur braucht nach einer Triathlon Langdistanz oder vergleichbaren Belastungen 10-14 Tage, aktive und passive Strukturen wie Knochen und Sehnen sogar 21 Tage.

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….und das merke ich! Ich habe das Training nach drei kompletten Restdays vergleichsweise früh aber moderat wieder aufgenommen. Ich hatte auch Lust um ehrlich zu sein! Man weiß, dass man sich die Ruhe verdient hat, hat im Umkehrschluss aber auch Blut geleckt und will mehr – besser werden – höher, schneller, weiter. Die Endorphine schießen noch immer durch den Körper. Trotzdem habe ich Vernunft walten lassen, es gab keine langen und keine intensiven Belastungen – lediglich regeneratives Training, Abbau von Laktat, Ammoniak und Cortisol, fast wie die Profis, nur ohne Sauna, Massage und Salze… und ohne Profi zu sein.

Ich bin zuversichtlich, bald wieder meine gewohnten Trainingsintensitäten und Umfänge aufnehmen zu können, aber derzeit trainiere ich noch auf 70% meines Leistungsvermögens und das ist für das Training auch absolut in Ordnung, für das Bestreiten eines Wettkampfes am morgigen Tag, an dem es um den Klassenerhalt der Mannschaft geht, aber einfach Mist. Ich habe zwar noch versucht, meine Situation zu erklären, aber es gibt leider keinen Ersatzstarter für den Ersatzstarter – da muss ich wohl durch – Schade, ich habe mich noch nie so wenig auf einen Wettkampf gefreut – am liebsten würde ich einfach nur am Streckenrand stehen und Miri anfeuern, die auf der Sprintdistanz Gas geben wird! Außerdem hat sie nach ihrem Einsatz als Zuschauer in Hamburg jede Form von Aufmerksamkeit verdient, die ich ihr morgen in Hückeswagen nicht geben kann, wenn ich selbst starte.

Was möchte ich damit eigentlich sagen? Plant Eure Wettkämpfe, aber auch eure Erholungsphasen sorgfältig und geht gut mit Euren Ressourcen um. Und wenn ihr doch schon einen ähnlichen Fehler gemacht habt oder noch machen werdet, dann lernt draus!

Viele Grüße, euer Chris

Tiathlon Hückeswagen

Am Samstag, den 11.08.18 waren Chris und ich mit vielen anderen aus dem Verein beim Triathlon in Hückeswagen. Gestartet sind wir auf unterschiedlichen Distanzen, Chris für unsere 2. Mannschaft auf der Mitteldistanz und ich im Einzelstarterfeld auf der Volksdistanz. Im welligen Hückeswagen sahen die Distanzen im Detail wie folgt aus – Mitteldistanz: 2000 m – 74 km – 21 und Volksdistanz: 500 m – 20 km – 5 km. Geschwommen wird in der Bevertalsperre bei tagesaktuellen 23,5 Grad. Die Radstrecke wird auf einem 20 km Rundkurs ausgetragen. Gelaufen wird eine 5 km Strecke zum Sportplatz in Hückeswagen, für die Mitteldistanz ging es von dort aus auf einen Rundkurs um die Wuppervorsperre.

Ich (Miri) hatte viel Spaß am gestrigen Tag und das nicht nur wegen des Wettkampfs. Das gemeinschaftliche Einstimmen auf den Wettkampf, die motivierenden Zurufe auf der Strecke und das Ausklingen nach erfolgreicher Ankunft im Zielbereich mit den Vereinskollegen/innen war einfach spitze. Vor Start um 11.40 Uhr lauschte ich der Wettkampfbesprechung und schwamm mich ein bisschen ein. Brrr.. war mein erster Gedanke beim Eintauchen in die Bevertalsperre. Beim Blick nach rechts und links wurde schnell klar – das sind viele Starter. Ziemlich nervös stand ich zwischen den Mitstreitern/innen und ging in mich. Das Startsignal ertönte und los. Mein erster Eindruck täuschte nicht, es war ein einziger Kampf im Wasser. Nach wenigen Metern war mein einziges Ziel mich irgendwie über Wasser zu halten und anzukommen. An eine gute Kraultechnik und fokussiertes Schwimmen war nicht zu denken. Ich brauchte viele Blicke nach oben, um mich zu orientieren, zu beruhigen und um Luft zu holen. Zum Glück konnte ich nach 500 m aus dem Wasser steigen und in Richtung Wechselzone rennen.

Auf dem Rad ging es über die Talsperre und erst einmal bergab. Mit einem Höhenunterschied von 229 m sollte dies jedoch nicht lange so bleiben. Ich trat in die Pedale so gut es ging. Gedanklich längst weg vom chaotischen Schwimmen. Einige Konkurrenten konnte ich sogar einholen, zu meinem Erstaunen ausgerechnet bergauf. Doch auch ich wurde eingeholt, ließ mich dadurch jedoch wenig beeindrucken. Es war ein wahnsinns Gefühl, bergab Geschwindigkeiten bis zu 56 km/h zu erreichen. Die Unsicherheit bei hohen Geschwindigkeiten, die mich sonst vom schnellen Fahren abhalten, war im Wettkampf in den Hintergrund gerückt. Mit einem berauschenden Gefühl fuhr ich wieder zurück in die Wechselzone und schlüpfte in die Laufschuhe.

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Auch hier gings fürs Erste bergab. Im schnellen Schritt startete ich auf die 5 km Strecke. Auf der Geraden dauerte es ein wenig bis ich in meinen Laufrhythmus fand. Im Hinterkopf hatte ich nun den letzten Berganstieg, von welchem mir erzählt wurde. Dafür sollte ich mir ein paar Körner aufheben, so mein Gedanke. Begleitet von Hoffnung und Kampfgeist kam mir der Gedanke, eine mögliche Endzeit von 1 h 30 min. zu unterbieten. Nach meinen Rechnungen war dies auch greifbar. Schwimmen unter 12 min. – Radfahren laut meiner Uhr 41 min., also reicht mir beim Laufen eine Zeit unter 30 min. Leider hatte ich die Wechselzeiten nicht präsent, die bei meinem 2. Triathlon, so viel wusste ich, noch nicht besonders gut sind. Trotz der Seitenstechen, die mich kurz nach Kilometer 1 überkamen, konnte ich ein gutes Tempo halten. Nach Kilometer 4 rechnete ich mit dem baldigen Anstieg. Eingebogen auf einen Parkweg voll mit Steinchen ging es weiter Richtung Ziel. Es war zum Greifen nah. Hören konnte ich die Jubel aus dem Sportplatz bereits. Noch einmal links abbiegen und.. nichts, die Laufstrecke führte ohne Anstieg direkt auf die Tartanbahn, die noch einmal zu umlaufen war. Endspurt und ab ins Ziel. Das Anfeuern trug mich über die Ziellinie und alles andere war vergessen. Mein Blick auf die Uhr zeigte eine Laufzeit von über 30 min. – aber warum? ..leider war die Laufstrecke 5,6 km lang und spielte mir damit nicht in die Karten. Mit einer Zielzeit von 1:30:05 war ich zwar schneller als erwartet, aber ein wenig unglücklich.

Dennoch hatte ich ein super Gefühl als ich angekommen war. Zunächst galt es den Wettkampf zu verarbeiten und sich mit den Anderen, mit der Zielverpflegung in der Hand, auszutauschen. Getragen auf einer Welle voller Emotionen endete der Tag.

Eure

Miri

‚Ein bisschen Angst hab ich schon‘

Nicht nur das Schwimmen und Radfahren waren neu für uns, sondern auch das Trainieren in der Gruppe. Bislang hatten wir unsere Trainingseinheiten immer alleine absolviert. Jeder in seinem Tempo und wonach uns gerade war. Tatsächlich hatte ich (Miri) ein bisschen Angst vor dem ersten gemeinsamen Training mit den erfahrenen Vereinsmitgliedern. Meine größte Sorge – ‚bin ich überhaupt gut genug?‘. Mir war klar, dass es völliger Quatsch ist, so zu denken, es ist alle mal besser sich zu bewegen als auf der Couch herum zu lungern. Den Gedanken würde ich auch jedem Anderen ausreden, aber Ihr kennt das vielleicht, mit sich selbst geht man manchmal strenger ins Gericht.

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Meine Sorge hielt letztendlich auch nicht lange an. Die ersten Eindrücke, wohlbemerkt von uns beiden, waren durchweg positiv. Wir trafen auf offene und herzliche Menschen, mit welchen wir von Anfang an viel Spaß hatten. Chris und ich fanden jeder seinen Platz in der Gruppe. Entsprechend unserem jeweiligen Leistungsniveau ging Chris zu den Basisschwimmern, ich zu den Anfängern. Beim Lauftraining fanden sich nach einer gemeinsamen Eingangsrunde, kleine Grüppchen auf der Tartanbahn. Etwas entspannter ging ich (Miri) in die erste Spinningeinheit, die Räder stehen schließlich fest auf dem Boden und jeder tritt in seine Pedale.

Bis heute fielen keine Beurteilungen über das was wir nicht können, sondern Lob über das was wir schon erreicht haben.

Eure

Miri und Chris

Lauf-ABC – Brauch‘ ich das überhaupt?

Um die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen. -„Ja!“- aber warum, wozu und was verbirgt sich überhaupt dahinter?

Wir haben einmal wöchentlich ein angeleitetes Lauftraining, jeweils bestehend aus einem Warm-Up, Technikteil, Hauptteil und Cool-Down+Stretching. Zu unserem erstee Lauftraining bin ich sehr optimistisch gegangen, Miri und ich liefen schließlich schon ein paar Jahre und hatten bereits unsere ersten persönlichen Erfolge über die Halbmarathon und sogar Marathon Distanz. Es war also quasi meine „Paradedisziplin“. Ich bin zuvor hohe Wochenumfänge mit teilweise hohen Belastungen gelaufen. Aber hatte ich ein System? Konnte man von guter Trainingssteuerung sprechen? „Nein“ – und um ehrlich zu sein, machten sich sogar schon die ersten Beschwerden im Piriformis, einem kleinen Muskel unterhalb der Gesäßmuskulatur, breit.

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Ich zählte bis zu diesem Tag zu den Menschen, die chronisch das Dehnen und das Lauftechniktraining vernachlässigen, getreu dem Motto „Solang ich nichts habe, mache ich so weiter“.

Heute bin ich etwas schlauer und empfehle präventiv an der Beweglichkeit, aber auch an einem effizienten Bewegungsablauf zu arbeiten. Schließlich geht es bspw. bei dem richtigen Abrollverhalten auch um Kraftersparnis und somit darum, mehr aus seinen Möglichkeiten herauszuholen.

Das erste Lauf-ABC stand an – Anfersen, Skippings, Fußgelenksarbeit, Überkreuzlaufen, Hopserlauf, Rückwärtslaufen, Seitensprünge u.v.m. Oh je, das alles war mir irgendwie noch aus dem Sportunterricht vertraut, aber nicht gerade meine Passion. Das Gleiche galt für das abschließende Dehnen. Zugegeben so richtig Freund geworden bin ich mit Beidem noch nicht und manchmal muss Miri mich dazu drängen, aber ich möchte es jedem empfehlen, der Herr über seinen Trainingsplan ist. Letztlich dauert ein Dehnprogramm nach dem Workout 5 min und ein Lauf-ABC 1 x 15 min. wöchentlich – Zeit, die sich jeder rausstreichen sollte, da die Erfolge in puncto Verletzungensprävention nicht zu unterschätzen sind.

Welche Techniken Ihr im Rahmen eines Lauf-ABC anwenden könnt und wie sie aussehen, efahrt Ihr in einem separaten Beitrag, Ihr Lieben!

Euer

Chris

 

‚Auwei!‘

Das war wohl mein Gedanke als ich zum ersten Mal versucht habe ein paar Kraulzüge zu machen. Kopf unter Wasser, Atmen, rechter Arm, linker Arm, Beine gestreckt halten und nicht aus den Knien strampeln – ganz schön viel aufeinmal. Es war sicher lustig mitanzusehen, wie ich versuchte mich über Wasser zu halten und mich nach vorne zu bewegen. Hilfreich war es den Körper in verschiedene Bereiche einzuteilen. Entweder konzentrierte ich mich auf den Armzug oder den Kraulbeinschlag. Zu Beginn entschied ich mich für eine 2er Atmung, um in einen Rhythmus zu finden. Außerdem erschien mir ein längeres Unterwasserbleiben ohne zu Atmen unmöglich. Schwimmhilfen wie der Pullboy und das Schwimmbrett wurden meine neuen Freunde sowie eine Nasenklammer. Diese kaufte ich mir nach einigen Trainingseinheiten, um nicht ständig Wasser in die Nase zu bekommen.

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Durch 2-mal wöchentliches Training, aufgeteilt in einen angeleiteten Technikteil und einem Freienschwimmen, stellten sich bald Erfolge ein. Die ersten 25 Meter am Stück waren mein ganzer Stolz.

Aus der 2er Atmung wurde eine 3er Atmung, aus 25 Metern wurden 100 Meter und mehr. Mittlerweile machte mir das Schwimmen sogar richtig Spaß. Der Ehrgeiz längere Strecken zu Schwimmen hatte mich gepackt und kurzerhand wurden einige Trainingseinheiten ins Freiwasser verlegt. Auch wenn der Tag noch so stressig war, das Fokussieren auf die Atmung und die Bewegungsabläufe, ließen jeglichen Stress von mir fallen.

Wie ich mich weiter entwickelt habe und meine ersten Kraulerfahrungen im Freiwasser waren erfahrt Ihr in einem anderen Artikel.

Eure

Miri